RISIKOFAKTOREN

Das Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, steigt mit dem Alter. Weitere Risikofaktoren sind die familiäre Vorbelastung und die Herkunft. Darüber hinaus gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, wann ein erhöhtes Risiko vorliegt.

Alter

Mann mit beiger JackeProstatakarzinome treten bevorzugt bei Männern jenseits des 55. Lebensjahres auf. Am häufigsten sind Männer zwischen dem 70. und 74. Lebensjahr betroffen. Bei den noch älteren Männern ist die Häufigkeit wieder rückläufig. Das Prostatakarzinom scheint sich über Jahrzehnte langsam im Körper zu entwickeln, bevor es vom Arzt ertastet werden kann.

Herkunft

Untersuchungen aus den USA zeigen, dass afro-amerikanische Männer häufiger an Prostatakrebs erkranken als weiße Amerikaner und auch doppelt so häufig daran sterben. Diese deutlichen Unterschiede werden hauptsächlich mit den im Mittel schlechteren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen der schwarzen Amerikaner erklärt. Dies führt u. a. dazu, dass Afro-Amerikaner seltener zum Arzt gehen und der Tumor in der Regel wesentlich später, in einem deutlich fortgeschritteneren Stadium diagnostiziert wird. Denkbar sind aber auch biologische und genetische Unterschiede sowie Umweltfaktoren.

Familienanamnese

Familienportrait plus OpaStudien zur Häufigkeit des Prostatakarzinoms zeigen, dass für die männlichen Mitglieder einer Familie ein etwa zwei- bis dreimal so hohes Risiko besteht, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, wenn bereits ein Verwandter ersten Grades (Bruder, Vater) an einem Prostatakarzinom erkrankt ist. Das Risiko wird weiter erhöht, wenn der Verwandte bei der Erstdiagnose noch sehr jung war oder darüber hinaus weitere Familienmitglieder ein Prostatakarzinom hatten. Derzeit geht man davon aus, dass etwa 5 bis 10 Prozent aller Prostatakarzinome erblich bedingt sind.

Andere Risikofaktoren

Weltweit gesehen ist die Häufigkeit des Prostatakarzinoms sehr unterschiedlich verteilt. Zum einen ist dies die Folge unterschiedlicher Methoden und Standards bei der Früherkennung. Es zeigten sich aber weltweit auch deutliche Unterschiede bei den Sterberaten von Patienten mit Prostatakarzinom.

Experten machen dafür unterschiedliche Lebens- und Essgewohnheiten verantwortlich. So zeigte sich, dass die Sterberaten in asiatischen Ländern mit dem zunehmendem ‚westlichem’ Lebensstil deutlich anstiegen. Auch steigt das Risiko für ein Prostatakarzinom bei Japanern, die nach Amerika ausgewandert sind, nach einer Studie auf das Vierfache ihrer Landsleute an, die nach wie vor in Japan leben. Experten vermuten, dass auch hier die veränderte Ernährung und der veränderte Lebensstil den Hormonhaushalt der Männer beeinflussen.

Ernährung

Manta TellerDie Entstehung eines Prostatakarzinoms scheint durch eine fettreiche Ernährung begünstigt zu werden. Besonders ungünstig ist eine häufige Aufnahme von sogenannten gesättigten Fettsäuren. Ein deutlich niedrigeres Risiko geht von den ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren aus.

Ein weiterer Risikofaktor scheint der Verzehr von rotem Fleisch, z. B. Rindfleisch, Schweinefleisch etc. zu sein. Untersuchungen zufolge kommt es bei häufigem Verzehr von rotem Fleisch zu einer knappen Verdoppelung des Risikos. Fettleibigkeit wird als ein weiterer Risikofaktor diskutiert.

Eine große Studie liefert zudem Hinweise, dass bei erhöhter Ein­nahme von Vitamin E als Nahrungsergänzungsmittel das Prostata­krebsrisiko möglicherweise steigt.[1]

Fettverteilung und körperliche Aktivität

Ernährung und Bewegung spielen gerade bei hormonbedingten Krebsarten wie dem Prostatakarzinom eine wichtige Rolle. Mit einer bewussten Lebensweise können Sie dem Krebs nicht nur vorbeugen, Sie können sogar den Erfolg Ihrer Krebsbehandlung befördern. Das ist vor allem für jene Patienten wichtig, die sich gegen einen Eingriff und für das Abwarten entschieden haben.

Mit dem Lebensstil assoziierte Faktoren wie Übergewicht, falsche Ernährung und Bewegungsman­gel scheinen eine Rolle zu spielen.[2]

Hormone

Die Prostata benötigt für Wachstum und Entwicklung männliche Geschlechtshormone (Androgene). Es ist daher denkbar, dass die Entstehung eines Prostatakarzinoms von der Androgenkonzentration in der Prostata abhängt. Diese Vermutung wird gestützt durch die Beobachtung, dass sich bei Patienten mit Prostatakarzinom der Tumor zurückbildete, wenn in der Prostata die Konzentration der Androgene gesenkt bzw. die körpereigene Synthese blockiert wurde. Allerdings schwankt der Androgenspiegel und ist von Mann zu Mann unterschiedlich. Es ist nicht klar, ob und in welchem Umfang dies mit dem Prostatakarzinomrisiko zusammenhängt.

Risikoreduktion

Abbildung von TablettenDa Faktoren wie Alter oder Herkunft nicht zu beeinflussen sind, konzentrieren sich die Bemühungen um eine Verringerung des Risikos und damit eine Vorbeugung des Prostatakarzinoms auf die teilweise beeinflussbaren Aspekte Hormone und Ernährung und Bewegung.

So wurde untersucht, ob die medikamentöse Hemmung der Umwandlung von Testosteron zu dem aktiven Dihydrotestosteron (DHT) das Risiko für ein Prostatakarzinom reduzieren kann. Verwendet wurde das Medikament Finasterid, welches das für die Umwandlung benötigte Enzym, die 5-alpha-Reduktase, blockiert und gegen die ausgeprägte gutartige Prostatavergrößerungen eingesetzt wird. Tatsächlich ließ sich durch die Hemmung der Umwandlung von Testosteron zu DHT die Häufigkeit des Prostatakarzinoms verringern. Allerdings klagten viele Teilnehmer der Studie über Probleme mit der Erektionsfähigkeit, über insgesamt nachlassendes Interesse an Sexualität, über Brustdrüsenwachstum und andere Nebenwirkungen. Zudem waren Prostatakarzinome, die sich trotz Finasterid-Gabe entwickelten, häufiger aggressive Tumoren mit ungünstigerer Prognose.

Die Suche nach Mitteln zur wirksamen Vorbeugung von Prostatakrebs geht weiter. Eine Zulassung als Arzneimittel oder gar eine Empfehlung zur Einnahme gibt es aber bisher für keine der geprüften Substanzen.

Auch in Nahrungsergänzungsmittel setzten Forscher große Erwartungen. Diskutiert wurde beispielsweise, ob Vitamine oder Mineralstoffe wie z. B. Selen und Vitamin E das Risiko für ein Prostatakarzinom verringern können. In einer großen Studie reduzierten diese beiden Nahrungsergänzungsmittel das Prostatakrebsrisiko nicht.

Belegbar wirksame Maßnahmen der Ernährung speziell zur Vorbeugung des Prostatakrebs gibt es derzeit nicht. Deshalb sollte man am ehesten allgemeine Ernährungs- und Gesundheitsempfehlungen berücksichtigt: Ein gesundes Gewicht halten, eine gemischte Ernährung mit wenig rotem Fleisch und tierischem Fett, aber viel Obst, Salat, Gemüse, Vollkornprodukten, Fisch und ungesättigten pflanzlichen Ölen wie Raps- oder Olivenöl, dazu wenig Alkohol und regelmäßige Bewegung.

Auf der Grundlage der vorhandenen Beobachtungsdaten empfeh­len die Experten folgende Grundsätze: 

  • körperliche Aktivität
  • gesundes Gewicht
  • geringer Alkoholkonsum
  • nicht rauchen

Letzte Aktualisierung: 03.05.2021