STRAHLENBEHANDLUNG

Neben der kompletten operativen Entfernung der Prostata ist die Strahlentherapie eine etablierte Behandlungsmöglichkeit beim lokalisierten Prostatakarzinom. Oft sind beide Behandlungen grundsätzlich möglich. Die individuelle Entscheidung wird im Gespräch mit dem behandelnden Arzt unter Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile getroffen. Bei fortgeschrittenen Tumoren kommt die Bestrahlung auch zusätzlich zur Operation in Betracht.

Bei der Strahlentherapie wird radioaktive Strahlung direkt auf den Tumor gerichtet. Die Zellkerne werden so geschädigt, dass sich die Krebszellen nicht mehr teilen können und absterben. Wichtig ist die genaue Ausrichtung der Strahlung auf den Tumor, da die radioaktive Strahlung genauso gut gesundes Gewebe schädigen kann. Mithilfe von dreidimensionalen Darstellungsverfahren kann die Ausrichtung der Strahlung optimiert werden.

Bestrahlungsoptionen: 

  • die Bestrahlung von außen durch die Haut (perkutane Strahlenthe­rapie); 
  • die Bestrahlung von innen (Brachytherapie). 
3D Rekonstruktion des Beckens

Perkutane Strahlentherapie

Es gibt mittlerweile verschiedene Formen der Strahlentherapie. Die externe Bestrahlung ist die klassische Strahlentherapie, bei der die betreffende Körperregion von außen bestrahlt wird.

Apparatur für externe Bestrahlungstherapie

Sie wurde seit ihrem ersten medizinischen Einsatz im Jahr 1915 in den USA kontinuierlich verbessert. Das gilt sowohl für die Wirksamkeit als auch die Verträglichkeit. Die Verbesserungen haben dazu geführt, dass die externe Strahlentherapie heute die gleiche Bedeutung hat wie die operative Entfernung der Prostata und wie diese in den frühen Stadien eine Heilungschance für 70 bis 90 Prozent der Betroffenen bietet.
Nach erfolgreicher Strahlenbehandlung fällt der PSA-Wert wie nach der Operation auf einen niedrigen Wert ab, allerdings relativ langsam. Der niedrigste Wert wird im Mittel erst nach 17 Monaten, also nach knapp anderthalb Jahren erreicht.

Brachytherapie

Eine Alternative ist die Bestrahlung von innen („Brachytherapie“). Dabei wird die Strahlenquelle in unmittelbare Nähe des zu bestrahlenden Organs gebracht, um den Tumor gezielt zu bestrahlen und das umliegende – gesunde – Gewebe zu schonen; beim lokalisierten Prostatakarzinom geht es insbesondere darum, den Enddarm, die Samenbläschen und die Blase nicht unnötig hohen Strahlendosen auszusetzen. Es werden zwei Arten der Brachytherapie unterschieden: die hoch dosierte (high-dose rate = HDR) Brachytherapie und die niedrig dosierte (low-dose rate = LDR) Brachytherapie.

Bei der niedrig dosierten Brachytherapie werden kleine Strahlungsquellen („Seeds“) in die Prostata eingebracht, die nach und nach ihre Strahlung abgeben und dort verbleiben (siehe Abbildung).

Bestrahlung mit LDR-Brachytherapie

Bei der hoch dosierten Brachytherapie werden die – stärker, aber nur in kurzer Entfernung strahlenden – Strahlungsquellen in die Prostata eingebracht, die nach der Behandlung wieder entfernt werden.

Während die LDR-Brachytherapie bei kleinen Karzinomen in frühen Stadien als gleichwertige Alternative zur herkömmlichen Strahlentherapie eingesetzt wird, kommt die HDR-Brachytherapie meist in Kombination mit der perkutanen Bestrahlungstherapie zum Einsatz. Eine Erstattung der Brachytherapie durch die gesetzlichen Krankenversicherungen ist jedoch nicht immer gewährleistet und sollte gegebenenfalls vor der Therapie abgeklärt werden.

Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Auch die Strahlentherapie ist nicht ohne Nebenwirkungen. Wie auch nach der radikalen Prostatektomie kann es zur Impotenz kommen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Entzündungen im unteren Bereich des Darms, speziell im Dick- und Mastdarm (Kolitis/Proktitis) sowie Blasenirritationen. Bei vielen Patienten bilden sich die Nebenwirkungen wieder zurück. Anhaltende Beschwerden entwickeln sich etwa bei jedem zwanzigsten der Patienten beim Wasserlassen, und etwa bei jedem zehnten Patienten bleiben Beschwerden im Enddarmbereich bestehen.

Eine fortbestehende geringere Potenz gibt etwa die Hälfte der Patienten an. Ein erhöhtes Risiko für anhaltende Beschwerden als Folge der Bestrahlung haben Patienten, die schon zuvor an Erkrankungen im Magen-/Darmbereich gelitten haben, weshalb diese Patienten möglicherweise besser operiert werden sollten.

Letzte Aktualisierung: 03.05.2021