VERZÖGERTER BEHANDLUNGSBEGINN UND AKTIVE ÜBERWACHUNG

Bei einem wenig aggressiven Prostatakarzinom ist die Wahrscheinlichkeit, letztlich an einer anderen Erkrankung (zum Beispiel Herzversagen) zu sterben, mit zunehmendem Alter immer höher. Gleichzeitig sind in höherem Alter und bei schon bestehenden anderen Krankheiten unter Umständen die Risiken von Operation oder Bestrahlung besonders groß. Daher ist eine genaue Abwägung des zu erwartenden Nutzens eines Eingriffs gegenüber den Risiken wichtig. Schließlich werden Operation oder Bestrahlung unter Umständen die Lebensqualität beeinträchtigen.

Watchful Waiting

Es gibt mittlerweile verschiedene Formen der Strahlentherapie. Die externe Bestrahlung ist die klassische Strahlentherapie, bei der die betreffende Körperregion von außen bestrahlt wird.

Ärztin fühlt am Hals von Mann

Die Strategie des langfristigen Beobachtens („Watchful Waiting“) verzichtet auf den Versuch einer Heilung. Der Arzt kontrolliert regelmäßig den Gesundheitszustand und behandelt nur etwa auftretende Beschwerden. Die Therapie ist also ausschließlich lindernd (palliativ).

Active Surveillance

Eine andere Strategie ist die aktive Überwachung („Active Surveillance“) bei kleinen, lokal begrenzten Prostatakarzinomen. Erst wenn die regelmäßigen Kontrollen ein Fortschreiten der Erkrankung zeigen, wird mit der Behandlung begonnen. Dieses Vorgehen kommt in Frage, wenn der Patient vom sofortigen Behandlungsbeginn keinen Vorteil hat.

In den ersten beiden Jahren wird alle drei Monate eine Tastuntersuchung und eine PSA-Wert-Bestimmung durchgeführt. Bleiben die Werte über zwei Jahre stabil, genügen laut Leitlinien halbjährliche Kontrollen. Nach zwölf bis 18 Monaten und danach alle drei Jahre sollten auch Gewebeproben entnommen werden, um ein etwaiges Fortschreiten der Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Ist dies der Fall, sollte die alleinige Überwachung aufgegeben werden und der Krebs durch Operation oder Bestrahlung behandelt werden.

Das ist der Fall, wenn sich der Gleason-Score auf mehr als 6 verschlechtert hat oder der PSA-Wert sich innerhalb von weniger als drei Jahren verdoppelt hat. Häufiger brechen Patienten aber die aktive Überwachung ab, weil sie sich durch das Wissen um den Tumor psychisch sehr belastet fühlen. Gegebenenfalls sollten Sie sich psychische Unterstützung suchen, um sich tatsächlich nur dann eine Operation oder eine Bestrahlung zuzumuten, wenn sie medizinisch notwendig ist.

Letzte Aktualisierung: 03.05.2021