BEHANDLUNG DER NEBENWIRKUNGEN DER CHEMOTHERAPIE

Typische Nebenwirkungen der Chemotherapie lassen sich heute relativ gut kontrollieren oder sogar ganz vermeiden. Zum einen sind moderne Zytostatika besser verträglich als ihre Vorgänger, zum anderen stehen heute Begleitmedikamente zur Verfügung, mit denen Nebenwirkungen behandelt oder sogar bereits im Vorfeld vermieden werden können.

Blutbildveränderungen

Darstellung Durch die Chemotherapie werden häufig die blutbildenden Zellen des Knochenmarks vorübergehend geschädigt. Dies kann zu einem Abfall der roten und weißen Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) sowie der Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut führen. Ihr Blutbild wird deshalb während der Chemotherapie in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Die Behandlung der Blutbildveränderungen ist je nach Ausprägung und für jeden Patienten unterschiedlich. Sie kann von einer Verringerung der Chemotherapiedosis und / oder einer Vergrößerung der Intervalle zwischen den Behandlungen bis zu Bluttransfusionen oder der Gabe von blutbildstimulierenden Medikamenten reichen. In der Regel bildet sich die Verringerung der roten und weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen bis zur nächsten Chemotherapiegabe wieder zurück. Darauf sollten Sie selbst achten:

  • Bei einer starken Verringerung der Anzahl der weißen Blutkörperchen besteht erhöhte Infektionsgefahr, deshalb sollten große Menschenansammlungen oder öffentliche Verkehrsmittel vermieden werden.
  • Bei einem Anstieg der Körpertemperatur sollte unverzüglich der Arzt informiert werden!
  • Bei Verringerung der Blutplättchen kann die Blutgerinnung gestört und die Blutungsneigung erhöht sein. Verletzungen jeglicher Art – auch am Zahnfleisch – sollten deshalb vermieden werden.
  • Ein Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie) macht sich durch rasche Erschöpfung und Abgeschlagenheit bemerkbar, da die Sauerstoffversorgung der Körperzellen beeinträchtigt ist.

Übelkeit und Erbrechen

Beides sind Nebenwirkungen, die am häufigsten mit einer Chemotherapie in Verbindung gebracht werden und vor denen sich die Patienten am meisten fürchten, obwohl die beim Prostatakrebs in der Regel eingesetzten Taxane diese Nebenwirkungen gar nicht besonders häufig zeigen. Weiterhin lassen sie sich heute durch moderne Medikamente, die sogenannten Antiemetika, hervorragend behandeln oder sogar ganz verhindern. Antiemetika werden bereits vor der Chemotherapie eingenommen.

Zur Verminderung der Übelkeit können die Patienten auch selbst beitragen. So sollten sie vor der Chemotherapie nur leichte Speisen zu sich nehmen und nach der Behandlung lieber mehrere kleine Speisen über den Tag verteilt essen. Die Speisen sollten nicht zu heiß und nicht zu stark gewürzt sein. Gehen Sie viel an die frische Luft und sorgen Sie für ausreichend Schlaf. Meiden Sie alle unangenehmen Gerüche und lüften Sie nach dem Essen die Wohnräume. Wenn Sie öfter erbrechen müssen, warten Sie vier bis acht Stunden, bis Sie wieder feste Nahrung zu sich nehmen. Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, ist es hilfreich, Eiswürfel oder gefrorene Fruchtstückchen zu lutschen.

Haarausfall

Mann fasst sich an den KopfDa die Chemotherapie auch die sich schnell teilenden Haarwurzelzellen schädigt, kann es zu Haarausfall kommen, der neben dem Kopfhaar auch das Barthaar, die Augenbrauen, Wimpern und die Schambehaarung betreffen kann. Leider kann man Haarausfall weder medikamentös behandeln noch ihm vorbeugen. Er ist aber nur vorübergehend: Nach Ende der Chemotherapie wachsen die Haare wieder nach.

Schleimhautschäden

Die Zellen der Schleimhäute im Mund- und Rachenraum sowie in der Speiseröhre teilen sich sehr häufig. Das hat den Vorteil, dass kleinere Verletzungen schnell von selbst heilen. Die hohe Teilungsaktivität hat aber den Nachteil, dass diese Schleimhäute bei einer Chemotherapie häufig geschädigt werden. Die Mundschleimhaut entzündet sich und es kann zu kleinen Geschwüren oder Rissen führen. Weitet sich die Entzündung bis zur Speiseröhre aus, kommen Schluckbeschwerden hinzu. Für die Betroffenen kann diese Nebenwirkung sehr schmerzhaft sein. Abhilfe schaffen schmerzlindernde Medikamente oder spezielle Mundspüllösungen. Das Lutschen glatter Bonbons und schmerzstillender Lutschtabletten hilft, die Speichelbildung anzuregen.

Betreiben Sie eine sorgfältige Mundhygiene und reinigen Sie Mund und Zähne nach jedem Essen. Dazu sollten Sie aber nur eine sehr weiche Zahnbürste, die Sie während des Putzens bitte immer wieder mit heißem Wasser ausspülen, oder – bei sehr starken Beschwerden – Wattestäbchen benutzen.

Auf Alkohol, Zigaretten, stark säurehaltige Nahrungsmittel und Getränke, sowie Heißes und scharf Gewürztes sollten Sie verzichten.

Auf einer geschädigten Mundschleimhaut kann es leicht zu einem Pilzbefall kommen. Diesem wird Ihr Arzt in der Regel medikamentös begegnen. Auch kann eine reduzierte Zuckerzufuhr helfen, dem Pilzwachstum entgegenzuwirken.

Durchfall

Zytostatika schädigen auch die Darmschleimhaut, wodurch es zu Darmentzündungen und Durchfällen, aber auch zu Verstopfung kommen kann. Der bei länger anhaltenden Durchfällen auftretende Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust muss ärztlich behandelt werden. Die Verstopfung lässt sich durch Abführmittel, die Ihnen Ihr Arzt verordnen kann, recht gut behandeln. Außerdem sollten Sie auf eine ballaststoffreiche Kost mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten, sowie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

Weitere mögliche Nebenwirkungen der Chemotherapie

Abbildung von einem FußGelegentlich können bei der Chemotherapie Wassereinlagerungen (Ödeme) auftreten, denen teilweise medikamentös vorgebeugt werden kann. Während der Chemotherapie kann es außerdem zu Veränderungen an der Haut sowie Fuß- und Fingernägeln kommen. Wunden und Verletzungen heilen insgesamt schlechter. Möglich sind trockene Haut und Hautausschläge. Die Nagelreaktionen machen sich zunächst durch fleckige Verfärbungen bemerkbar. In diesem Fall sollten Sie Ihren Arzt darüber unterrichten. Zur Vermeidung von Haut- bzw. Nagelreaktionen können während der Chemotherapie-Gabe Kühlhandschuhe zur Anwendung kommen.

Auch das Nervengewebe kann bei einer Chemotherapie in Mitleidenschaft gezogen werden, was sich in Empfindungsstörungen und sehr selten auch in Lähmungserscheinungen äußern kann. Bei Kribbeln und Taubheitsgefühlen in Händen und / oder Füßen sollten Sie Ihren Arzt informieren.

Seltener berichten Patienten von einer Muskelschwäche durch eine Chemotherapie, die sich in aller Regel wieder recht schnell zurückbildet. Nervengewebe benötigt manchmal etwas länger zur Regeneration.

Letzte Aktualisierung: 03.05.2021