PSA














EIGENSCHAFTEN DES TUMORS CHARAKTERISIEREN

Für die Therapieentscheidung ist es wichtig, dass das Prostatakarzinom hinsichtlich Größe, Tumorausbreitung, Gewebeeigenschaften und Aggressivität exakt definiert ist. Wesentliche Hinweise geben das sogenannte Staging und Grading.

Staging

Das Staging umfasst die Stadieneinteilung, die darauf beruht, wie weit sich das Karzinom bereits ausgebreitet hat. Bei der Erstdiagnose eines Prostatakarzinoms lassen sich daraus Rückschlüsse auf den Verlauf der Erkrankung ableiten. Zudem hilft das Staging bei der Behandlungswahl. Die Stadieneinteilung basiert auf den Ergebnissen der PSA-Wert-Messung, der digital-rektalen Untersuchung (DRU), den Gewebeeigenschaften nach der pathologischen Untersuchung der Biopsien und den Aussagen der bildgebenden Verfahren (Ultraschall, CTMRT). Entsprechend erfolgt die Einteilung der Prostatakarzinome in

  • lokalisierte, noch auf die Prostata beschränkte Tumore
  • lokal fortgeschrittene Prostatakarzinome mit zusätzlichem Befall von Lymphknoten und Lymphabflusswegen und
  • metastasierte Prostatakarzinome mit Befall weiterer Organe.

Patienten mit frühem (lokalisiertem) Prostatakarzinom haben heute eine sehr gute Prognose. Fast alle Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom überleben die nächste fünf Jahre, nach zehn Jahren leben noch 76 Prozent und nach 15 Jahren noch knapp die Hälfte (47 Prozent) dieser Patienten. Sind bereits Lymphknoten bzw. Lymphabflusswege betroffen, überleben bis zu 77 Prozent der Patienten die nächsten fünf Jahre, gut die Hälfte (54 Prozent) die nächsten zehn Jahre und elf Prozent 15 Jahre. Dies sind statistische Mittelwerte, die nur grobe Anhaltspunkte für die persönliche Überlebenswahrscheinlichkeit sein können.

TNM-System

Das TNM-System beschreibt die Ausbreitung des Tumors nach der Tumorgröße und der örtlichen Ausbreitung (T), dem Lymphknotenbefall (N wie lateinisch Nodus = Knoten) und dem Vorhandensein von Metastasen (M). Dabei erfolgt eine weitere Differenzierung durch Zahlen: Größe und Ausdehnung des Tumors (T1 bis T4), Zahl und Lage der befallenen Lymphknoten (N0 bis N3) und das Fehlen oder Vorhandensein von Metastasen (M0 oder M1). Ein kleiner Tumor ohne Nachweis von befallenen Lymphknoten oder Metastasen würde somit mit T1 N0 M0 beschrieben. Eine genaue Bestimmung ist oft erst nach einer operativen Entfernung der Prostata oder von Lymphknoten möglich.

Grading

Das Grading dient der histologischen Einstufung des Prostatakarzinoms und beschreibt Gewebeaufbau und Gewebeeigenschaften des Tumors. Der dabei verwendete Gleason-Score gibt Auskunft über die Aggressivität des Tumors und ist ein wichtiger Faktor bei der Therapieentscheidung.

Gleason-Grad

Üblicherweise erfolgt das Grading nach dem Gleason-System (benannt nach dem amerikanischen Arzt Dr. Donald Gleason). Es basiert auf dem architektonischen Muster der Prostatadrüsen, der Abgrenzung der Tumorzellen vom gesunden Gewebe und dem Erscheinungsbild der Zellkerne in den Gewebeproben. Das System unterscheidet fünf Grade. Beim Gleason-Grad 1 ist das Prostatakarzinom gut differenziert, d.h. die Krebszellen ähneln noch sehr gesundem Gewebe und die Drüsenarchitektur unterscheidet sich noch wenig von der gesunden Prostata. Karzinome mit Gleason-Grad 5 sind dagegen undifferenziert,zeigen nur noch wenig Ähnlichkeit mit gesunden Prostatazellen und haben keine erkennbare Drüsenstruktur mehr. Die gesamte Prostata ist in diesem Fall von Tumorgewebe durchsetzt. Ein Prostatakarzinom vom Gleason-Grad 5 wächst schnell, auch in Nachbarorgane hinein und bildet früh Metastasen in den Lymphknoten.

Gleason-Score

Aus der Summe der beiden häufigsten Gewebemuster (Gleason-Grad) wird der Gleason-Score bestimmt. Setzt sich ein Prostatakarzinom zu über 95% aus einem Muster zusammen, oder wird nur ein Muster gefunden, wird der entsprechende Gleason-Grad doppelt gezählt. Der Gleason-Score bzw. die Summe der beiden häufigsten Gleason-Grade gibt Auskunft über die Aggressivität des Tumors.

Der niedrigste Gleason-Score ist damit 2 (= 1 + 1). In diesem Fall dominiert ein Gleason-Muster mit einer guten Differenzierung. Der höchste Gleason-Score ist 10 (= 5 + 5). In diesem Fall dominieren schlecht differenzierte Drüsen. Meist liegt der Gleason-Score zwischen diesen beiden Extremen. Die am häufigsten identifizierten Gleason-Scores liegen bei 6 und 7 (siehe Abbildungen).

Diagnosik Gleason-Grad-Score 1

Diagnostik Gleason-Grad-Score 2

Letzte Aktualisierung: 03.05.2021